Reit- und Fahrverein Samern e.V.
Reit- und Fahrverein Samern e.V.

Reit- und Fahrverein Samern e.V.

1908 bis 2008: Hundert Jahre Vereinsgeschichte

von Dr. Katja Bodenkamp und Friedrich Kröner

Im Jahre 1908 gründeten Männer aus Samern und Schüttorf, die 1904 gemeinsam bei dem 2. Escadron Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannover) Nr. 13 gedient hatten, aus ihrer Liebe zum Pferd den Reit- und Fahrverein Samern (RFS). Zu ihnen zählten: Dietrich Bodenkamp, Floris Rost, Philipp Schümer, Dietrich Schulze-Holmer, Dietrich Verbrügge und Gerhard Wanning. Sie legten damit den Grundstein zu einer Institution, die in unserer Heimat wesentliche sportliche und gesellschaftliche Akzente setzte und den Namen Samern überregional bekannt gemacht hat.

Das schicksalhafte Auf und Ab des deutschen Volkes spiegelte sich auch im Leben des RFS wieder. Schon die Wirren des 1. Weltkrieges und der Zusammenbruch 1918 störten empfindlich die reiterliche Vereinstätigkeit. Neues Leben brachte im Jahre 1922 ein Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte: 1. Vorsitzender: Freiherr v. Dallwigk (Bentheim), 2. Vorsitzender: Dietrich Verbrügge (Samern), Schriftführer: Justus Lenzing (Schüttorf), Kassierer: Johann Brameier (Ohne), Reitlehrer: Herr Worch.
Die Reiter traten öffentlich bei der Kreistierschau und an der Freilichtbühne auf. Am 26. November 1926 wurde ein großes Turnier in Samern auf dem Festplatz Schulze Holmer an der Salzbergener Straße durchgeführt. Die Sameraner Reiter (u. a. Bertling, Bodenkamp, Haring, Kleve, Mannsbrügge, Schauing, van Ferth, Wanning und Werning) stellten sich in den Wettbewerben „Schulreiten“ und „Flachrennen über 1000m“ der Konkurrenz. Im Anschluss an das Turnier fand der große Festball im Festsaal Lenzing statt.

Die Aufwärtsentwicklung mündete 1933 in der Gleichschaltung mit dem SA-Reitersturm Grafschaft Bentheim. Während des zweiten Weltkrieges lag das gesamte Vereinsleben brach. Nach Kriegsende ergriff 1948 die Reiterjugend die Initiative. Der Vorsitzende des Landjugendbundes Johann Eilering gab Anstoß zur Neubelebung. In den neuen Vorstand wurden Hans Lammers, Hermann Gellenbeck und Fritz Kott gewählt. Reitlehrer war Oberst a. D. Festerling. Von Johann Verbrügge wurde ein Reitplatz an der Ohner Straße zur Verfügung gestellt. 1948 fand dort das erste Turnier statt.

Im Februar 1949 übernahm Georg Eckart die Ausbildung der Reiter und Fahrer. Zuvor hatte er seine Ausbildung zum Reitlehrer an der Kavallerieschule in Hannover absolviert. Mit Mut, Ordnung und Disziplin gab er dem Reit- und Fahrwesen in Samern neue, richtungweisende Impulse, die zu vielen erfolgreichen Turnierstarts der Sameraner Reiter führten.

1952 wechseln Arnold Brinkmann und Johann Eilering in den Vorstand. Im Jahre 1958 fasste man den kühnen Beschluss, die erste Reithalle im Bezirk Grafschaft Bentheim - Emsland zu errichten. Es wurde ein Reithallenausschuss gebildet. Dieser bestand aus dem Vorsitzenden Arnold Brinkmann, Geschäftsführer Wilhelm Kröner, Kassierer Hermann Criegee und den Beisitzern Fritz Kott und Gerhard Bodenkamp. Diese Männer führten die Aktion schnell und tatkräftig durch. Großzügige Spenden von vielen Sameraner Bauern und Schüttorfer Bürgern sowie enorme Eigenleistungen der Aktiven ermöglichten das Vorhaben. Das Baugelände von 2 Morgen stellte Dr. Gerhard Schlikker aus Schüttorf zur Verfügung. Die Stadt Schüttorf gab großzügig ein Reitgelände von 20 Morgen frei. Mehr als 2500 cbm Sand wurden durch die Bauern der Gemeinde Samern in kostenlosen „Hand- und Spanndiensten“ zur Erhöhung des Hallengeländes aufgefahren. Die Reithalle sollte zudem den Schüttorfer Handballern (Husaren) des FC Schüttorf 09 zur Verfügung gestellt werden, die an den Wochenenden durch den Einbau eines festen Hallenbodens die Gelegenheit erhalten sollten, hier ihre Spiele auszutragen. Als Zufahrt wurde ein Weg von der Bundesstraße bis zur späteren Reithalle frei geschlagen. Einen Teil des Weges richteten die Handballer her. Aus diesem Grund erhielt der neue Weg den Namen „Husarenweg“. Wilhelm Kröner, der sich um die Verwirklichung des Sporthallenprojektes besondere Verdienste erworben hatte, gab im November 1961 die Reithalle offiziell zur Nutzung frei. 1962 wurde die Halle mit zahlreichen Gästen eingeweiht, die zur Besichtigung der neuen Sportanlage mit anschließendem Essen vom Ochsen am Spieß und Tanz eingeladen waren. In den Jahren darauf wird der Hallenausschuss durch die Mitgliedschaft von Friedrich Kröner, Hermann Gellenbeck und Gerd Barmeyer ergänzt.

Reitturniere trafen in dieser Zeit auf großes Publikumsinteresse. Regelmäßig wurde in Samern das Turnier auf dem großzügigen Gelände des Reitvereins veranstaltet. 1964 waren 2000 zahlende Zuschauer dabei, als 17 Vereine aus der Grafschaft Bentheim und angrenzenden Regionen mit 250 Pferden um die Preise wetteiferten. Natürlich war in dieser Zeit der dazugehörige Reiterball ein unvergessliches Ereignis.

Auch die Fahrsportabteilung des RFV Samern e.V. kann auf eine langjährige Tradition zurückblicken. In den 60er Jahren war Hermann Gellenbeck aus Samern mit seinem Vierspänner auf Fahrturnieren erfolgreich vertreten. Den Höhepunkt seiner Karriere stellte 1972 die Einladung zur Weltmeisterschaft der Vierspännerfahrer in Münster dar. Nach diesem Groß-Ereignis zog sich Hermann Gellenbeck aus dem aktiven Turniersport zurück. Sein damaliger Beifahrer Hans Sundag trat in seine Fußstapfen und mischte erfolgreich im Turniergeschehen mit.

1972 wurde unter der Leitung von Willi Kiesewetter eine Ponyabteilung gegründet. Mit Kompetenz und Einfühlungsvermögen leitete er diese Abteilung über viele Jahre. Willi Kiesewetter und seine Ponygruppe konnten nicht nur in der Grafschaft Bentheim viele Siege und Platzierungen erringen, sondern waren auch auf überregionalen Turnieren erfolgreich. Damit die Ponyreiter an den auswärtigen Turnieren teilnehmen konnten, organisierte Karl-Heinz Lammering den Transport der Ponys mit dem firmeneigenen LKW.

Am 2. August 1978 berichteten die „Grafschafter Nachrichten“ in einem großen Artikel über eines der erfolgreichsten Turnierpferde in der Grafschaft Bentheim: „Sonja“, Hermann Dennemanns preisgekrönter Stute. Ob im Springen, in der Vielseitigkeit oder im Flachrennen: zwei Jahrzehnte holten „Sonja“ und Hermann Dennemann für den Sameraner Verein wertvolle Siege und Platzierungen. Die Stute, auf der auch viele Nachwuchsreiter in Samern das Reiten gelernt haben, gewann noch mit 23 Jahren in Nordhorn ein schweres L-Springen. Neben seinen sportlichen Erfolgen war Hermann Dennemann auch als Parcours-Chef und Reitlehrer sehr aktiv.

Mit Ablauf des Jahres 1980 wurde die Geschäftsführung der Reithalle offiziell von Friedrich Kröner abgegeben. 1981 beendete Arnold Brinkmann nach fast 30 Jahren seine Amtszeit als erster Vorsitzender. Arnold Brinkmann hatte sich seit 1952 mit viel Energie für den RFV Samern engagiert und durch seine Aktivität den Reitverein maßgeblich geprägt. Auf der folgenden Generalversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender: Dietrich Bodenkamp, 2. Vorsitzender: Heinrich Jürgen Brinkmann, Schriftführer: Johann Heinrich Groothues, Kassierer: Dietrich Strohm.
1982 beschloss der Verein an der Vorderseite der Reithalle einen Trakt mit Toiletten, Schulungsräumen und Tribüne zu errichten. Unter großem persönlichem Einsatz des neuen Vorstandes, unterstützt durch den Bürgermeister Johann Eilering wurde erneut eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um das Vorhaben zu finanzieren. Als Dank und Anerkennung für die große Spendenbereitschaft veranstaltete der Reitverein im Mai 1982 in der Reithalle Samern für Vereinsmitglieder, Freunde und Gönner einen großen „Reiterball“ mit den Bückeburger Jägern. Etwa 800 Besucher feierten in der blumengeschmückten Halle bis in den frühen Morgen und redeten noch lange von diesem Ereignis. 1994 gab Dietrich Bodenkamp den Vorsitz ab und Ernst Asche wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Unter dem neuen Vorstand legte der Verein mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Samern ein neues Dressurviereck an, um auch dem Dressursport bessere Bedingungen zu bieten. 1998 übernahm dann Heinrich Jürgen Brinkmann den Posten des 1. Vorsitzenden.

Am 18. Januar 2006 wütete der Orkan „Kyrill“ über Deutschland und auch in Samern richteten die Windböen bis Stärke zwölf schwere Schäden an. Die Vereinshalle des Reitvereins wurde durch den Sturm so schwer getroffen, dass das Dach, drei komplette Seitenwände sowie das große Eingangstor zur Reithalle erneuert werden mussten.

Im Jahr 2008 konnte der Reit- und Fahrverein Samern sein 100-jähriges Bestehen feiern. Anlässlich des großen Jubiläumsturniers wurde in fast einjähriger Vorbereitungszeit die gesamte Außenanlage umfassend in Stand gesetzt. In einem Festakt konnte der 1. Vorsitzende Josef Berlage neben Vertretern des Landkreises, des Samtgemeinde, der Stadt Schüttorf und der Gemeinde Samern auch Abgesandte des Pferdesportverbandes Weser-Ems, des Bezirks- und des Kreisreiterverbandes begrüßen. Im Rahmen dieses Festaktes wurden Arnold Brinkmann, Hermann Criegee, Willi Kiesewetter, Dietrich Bodenkamp und Friedrich Kröner für ihre Verdienste um den Reitverein geehrt.

Heute umfasst der Reitverein Samern 160 Mitglieder, Tendenz steigend. Hiervon sind 116 aktive Mitglieder. Erfreulich groß ist die Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Die 44 passiven Mitglieder sind in den meisten Fällen die „alteingessenen“, mit dem Verein verbundenen Sameraner, die früher aktiv geritten haben und sich sehr um den Verein verdient gemacht haben. Die Namen der Alt-Sameraner Reiter wiederholen sich jetzt aber immer öfter in den Mitgliedslisten, denn so manches Enkelkind hat mit dem Reiten angefangen.

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Reit- und Fahrverein Samern e.V.

Salzbergener Str. 93

48465 Samern

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letzte Änderung : 19.11.2018